Macht ist im deutschsprachigen Mittelstand ein Tabuthema. Geschäftsführer haben Macht — über Mitarbeiter-Schicksale, über Investitionen, über Kultur — sollen sie aber nicht spüren lassen. Diese Verleugnung produziert blinde Flecken, die regelmäßig kippen. Eine reflektierte Auseinandersetzung mit Macht ist eine der wichtigsten Führungskompetenzen.
In meinen Coaching-Mandaten ist Macht eines der Themen, die selten direkt angesprochen werden — und gleichzeitig ständig im Hintergrund wirken. Geschäftsführer sind über Macht oft ähnlich verlegen wie über Geld: man hat sie, redet aber lieber nicht offen darüber. Diese kulturelle Hürde ist besonders im deutschsprachigen Mittelstand stark — anders als in angelsächsischen Kontexten, wo Macht offener thematisiert wird.
Die Verleugnung kostet — sie produziert Macht-Ausübung, die ungesteuert ist und damit oft unbewusst destruktiv wirkt.
Vier Formen von Macht
Aus der Klassik der Sozialwissenschaft, in praxisnaher Form.
Positionsmacht. Macht durch die Rolle. Sie entscheiden, weil Sie der Geschäftsführer sind. Diese Macht ist legitim und stark, aber sie nutzt sich ab, wenn sie zu oft die einzige Begründung ist.
Expertenmacht. Macht durch Fachwissen. Sie entscheiden, weil Sie das Problem besser verstehen. Diese Macht ist im Mittelstand oft unterschätzt — Geschäftsführer, die ihr Geschäft tief kennen, haben mehr Einfluss als solche, die nur formell führen.
Beziehungsmacht. Macht durch Vertrauen und persönliche Bindung. Diese Macht baut sich über Jahre auf — und ist in Krisenzeiten die wertvollste, weil sie nicht von der Position abhängt.
Belohnungs- und Sanktionsmacht. Macht durch die Möglichkeit, Vorteile zu vergeben oder zu entziehen. Diese Macht wirkt am stärksten, wenn sie selten genutzt wird — wer sie ständig einsetzt, verliert sie.
Was Macht-Reflexion bedeutet
Drei Reflexionsfragen, die ich Geschäftsführern stelle.
Frage 1: Welche Macht setze ich ein, ohne mir bewusst zu sein? Geschäftsführer setzen täglich Macht ein — oft unbewusst. Eine Bemerkung im Vorbeigehen wird zur Anweisung. Ein Schweigen wird als Ablehnung interpretiert. Wer das nicht reflektiert, produziert Wirkungen, die er nicht kontrolliert.
Frage 2: Wo lasse ich Macht ungenutzt liegen? Manche Geschäftsführer scheuen sich, ihre Macht offen zu nutzen — aus Konflikt-Vermeidung oder kulturellem Unbehagen. Das wirkt im ersten Moment harmlos, ist aber oft schädlich, weil dann andere die Lücke füllen — meistens schlechter.
Frage 3: Welche Beziehungsmacht baue ich gerade auf — oder ab? Beziehungsmacht ist die wertvollste Form, weil sie unabhängig von der Position trägt. Sie baut sich auf durch Verlässlichkeit, Wertschätzung und ehrliche Auseinandersetzung. Sie baut sich ab durch Inkonsistenz, Schein-Wertschätzung und vermiedene Konflikte.
Was Macht-Verleugnung kostet
Drei Folgen.
Erstens: unbewusste Wirkung. Wer nicht weiß, dass er Macht ausübt, wirkt unkontrolliert.
Zweitens: schwache Mitarbeiter-Entwicklung. Wer keine Macht offen einsetzt, kann auch keine offen abgeben — Empowerment bleibt Phrase.
Drittens: Schein-Demokratie. Wenn der Geschäftsführer so tut, als sei er einer von vielen, entsteht im Team Verwirrung über die echten Entscheidungs-Strukturen.
Wann Coaching hilft
Macht-Reflexion ist eines der typischen Coaching-Themen für Geschäftsführer — und eines, das interne Reflexion kaum leisten kann. Wer mit Mitarbeitern oder Peers über die eigene Macht reflektiert, läuft sofort in politische Verwerfungen. Externe Reflexion bietet den geschützten Raum.
Ihr PCG-Vorsprung: Macht-Reflexion gehört zu meinen häufigsten Coaching-Themen. Mein Setup: regelmäßige Reflexion über konkrete Situationen, in denen Macht eine Rolle spielt — produktiv oder destruktiv. Mehr zu meinem Coaching für Geschäftsführer.
Ihr nächster Schritt
Wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie Ihre eigene Macht nicht klar reflektieren — vereinbaren Sie ein kostenfreies Erstgespräch. Wir klären, ob ein Coaching-Mandat passt.